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Klinikärzte fordern erheblich höhere Vergütungen
Verfasst: 13.09.2011, 07:24
von Gaby Modig
Die in Düsseldorf erscheinende Rheinische Post berichtet heute, 13.09.2011, in großer Aufmachung (Titelseite) darüber, dass die Klinikärzte erheblich höhere Vergütungen verlangen.
Tarifverhandlungen in Köln beginnen
Ärzte fordern sechs Prozent mehr Geld
VON MAXIMILIAN PLÜCK - zuletzt aktualisiert: 13.09.2011 - 08:26 (RP) Es werden keine einfachen Verhandlungen, die der Marburger Bund an diesem Dienstag mit der Vereinigung der kommunalen Arbeitgeberverbände (VKA) in Köln aufnimmt. Konkret geht es um die Gehälter für die rund 45.000 Ärzte an den kommunalen Kliniken.
... (mehr)
http://www.rp-online.de/wirtschaft/news ... 22601.html
Der Marburger Bund hat dazu in verschiedenen Pressemitteilung berichtet - siehe z.B.:
http://www.marburger-bund.de/presse/pre ... m39_11.php
Wie auch immer das alles gesehen werden mag: Die Forderungen der Ärzte sind überhöht und würden den Pflegenotstand weiter verschärfen. Denn im Zweifel müssen die Kliniken die Mehrkosten für höhere Ärztevergütungen aus den vorhandenen Mitteln finanzieren. Das würde Stellenabbau für alle Nichtärzte, vor allem im Bereich der Pflegekräfte, bedeuten. Das ist für die Pflege nicht hinnehmbar. Aber auch die Patienten dürfen das nicht klaglos akzeptieren. Denn ihre pflegerische Versorgung wird sich weiter verschlechtern!
Man darf gespannt sein, wie die Pflegeverbände reagieren. Wollte die Pflegebranche nicht auf die Barrikaden gehen?
viewtopic.php?t=16247
Gaby Modig
Verfasst: 13.09.2011, 08:15
von Gaby Modig
Zu den Forderungen der Klinikärzten gab es bereits am
25.08.2011 eine
Pressemitteilung der Deutschen Krankenhausgesellschaft. Daraus ergibt sich, dass die neuerlichen Vorstellungen der Ärzteschaft völlig unrealistisch, nicht finanzierbar, sind:
MB-Forderung nicht bezahlbar
DKG zur Tarifforderung für die kommunalen Kliniken
Zur Tarifforderung der Ärztegewerkschaft Marburger Bund (MB) für die kommunalen Kliniken erklärt der Hauptgeschäftsführer der Deutschen Krankenhausgesellschaft (DKG), Georg Baum:
„Die geforderten Tarifsteigerungen in Höhe von sechs Prozent können die Kliniken nicht finanzieren. Sie würden einen Kostenzuwachs auslösen, der den per Gesetz gedeckelten Preiserhöhungsspielraum der Krankenhäuser um ein Mehrfaches übersteigen würde. Die Kliniken müssen im laufenden und nächsten Jahr gesetzlich verordnete Kappungen von über 1,2 Milliarden Euro gegen sich gelten lassen, davon 600 Millionen Euro im nächsten Jahr. Zu diesem Zweck wird u. a. die für die Refinanzierung von Kostensteigerungen maßgebliche Grundlohnrate für 2012 um 0,5 Prozent abgesenkt. Erschwerend kommt hinzu, dass diese Rate ohnehin viel zu niedrig sein wird. Sie wird am 15. September 2011 vom Bundesministerium für Gesundheit (BMG) veröffentlicht. Abgesenkte Grundlohnrate und überhöhte Tarifraten – das kann nicht funktionieren. Die gesetzlichen Vorgaben lassen nicht zu, den Mitarbeitern in den Krankenhäusern eine übermäßig positive Tariferhöhungsperspektive in Aussicht zu stellen. In jedem Falle wären die 600 Millionen Euro, die zur weiteren Geldansammlung im Gesundheitsfonds den Kliniken abgezogen werden, als Tariferhöhungen bei den Klinikmitarbeitern besser aufgehoben. Die Krankenhäuser wollen ihren Beschäftigten attraktive Arbeitsplätze anbieten. Dazu brauchen wir die Unterstützung der Politik.“
Quelle:
http://www.dkgev.de/dkg.php/cat/38/aid/ ... _bezahlbar
"Pflege-Aufstand" überfällig
Verfasst: 13.09.2011, 08:29
von PflegeCologne
Hallo Gaby,
danke für Deine Hinweise. Es sieht so aus, als würde die Pflege vor einem weiteren Stellenabbau stehen. Statt mehr Pflegestellen, weniger? Wie soll das gehen?
Ich denke, dass jetzt die Pflegeverbände, wie angekündigt, vielleicht zusammen mit ver.di, endlich den "Pflege-Aufstand" in Gang bringen müssen. Worte sind eigentlich genug gewechselt. Jetzt sind Aktivitäten angesagt! Bin sehr gespannt.
LB Grüße Pflege Cologne
Gehaltsforderungen der Ärzteschaft zu Lasten der Pflege
Verfasst: 13.09.2011, 13:35
von KPHNeuss
Diese neuerlichen Gehaltsforderungen der Ärzteschaft mögen aus deren Sicht gerechtfertigt sein. Aber die Pflege muss dem entschieden entgegen treten. Denn bei Gehaltserhöhungen für Ärzte wird es ohne jeden Zweifel wieder einmal Einsparungen im Pflegebereich geben. Dann "gute Nacht Freunde".
KPH Neuss
Tarifverhandlungen für Ärzte an kommunalen Kliniken vertagt
Verfasst: 14.09.2011, 07:09
von Presse
Marburger Bund - Bundesverband
Verband der angestellten und beamteten Ärztinnen und Ärzte Deutschlands e.V.
Pressemitteilung Nr. 40 vom 13. September 2011
Tarifverhandlungen für Ärzte an kommunalen Kliniken vertagt
Köln – Die Tarifverhandlungen für die rund 45.000 Ärztinnen und Ärzte in kommunalen Krankenhäusern des VKA-Tarifverbundes sind heute nach einer ersten Verhandlungsrunde vertagt worden. Die Ärztegewerkschaft Marburger Bund (MB) und die Vereinigung der kommunalen Arbeitgeberverbände (VKA) vereinbarten einen weiteren Verhandlungstermin am 18. Oktober 2011 in Köln. "Der heutige Auftakt hat gezeigt, dass in diesen Tarifverhandlungen noch ein ganz dickes Brett zu bohren ist", sagte Lutz Hammerschlag, Verhandlungsführer des Marburger Bundes. "Wir haben die VKA eindringlich auf die Notwendigkeit besserer Arbeitsbedingungen hingewiesen. Die Belastung durch Bereitschaftsdienste in den kommunalen Kliniken hat ein Ausmaß erreicht, das kaum noch mit den Vorschriften des Arbeitsschutzes in Einklang zu bringen ist", so Hammerschlag.
"Die Ärzte in den kommunalen Krankenhäusern erwarten in dieser Tarifrunde mehr Wertschätzung für ihre Arbeit und mehr Planbarkeit und Verlässlichkeit in der Arbeitszeitgestaltung. Die Arbeitgeber werden nicht umhin können, sich ernsthaft mit unseren Forderungen auseinanderzusetzen. Das ist eine Grundvoraussetzung für konstruktive Tarifverhandlungen", sagte der MB-Tarifexperte.
Alle Informationen des Marburger Bundes zur VKA-Tarifrunde 2011 finden Sie unter:
http://www.vka-tarifrunde.de
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Marburger Bund Bundesverband
Referat Verbandskommunikation
Hans-Jörg Freese (Pressesprecher)
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Tel.: 030/746846-41 - mobil: 0162 211 24 25
presse@marburger-bund.de
http://www.marburger-bund.de
Stellenabbau in der Pflege ?
Verfasst: 27.09.2011, 12:54
von PflegeCologne
Habe an anderer Stelle geschrieben:
Pflegekräfte hat man in der Vergangenheit zum Teil nicht gut behandelt. Die Arbeitsbedingungen waren und sind nicht befriedigend. Daher sind zahlreiche Personen aus der Pflege ausgeschieden und haben sich anderweitig orientiert. Sie sind für die Pflege damit verloren. Im Übrigen ist auch angesichts dieser Geschehnisse nicht genügend ausgebildet worden. Man hat die Ausbildungsangebote für die Pflege knapp gehalten. Vor allem die Politik hat es versäumt, zeitgerecht die richtigen Weichenstellungen vorzunehmen. Jetzt muss schnellstens das Ruder herumgerissen werden, denn die demografische Entwicklung wird den Bedarf an Pflegekräften erhöhen.
Wenn die Ärzte mit ihren völlig überhöhten Forderungen auch nur teilweise Erfolg haben werden, wird sich der Stellenabbau in der Pflege zwangsläufig fortsetzen. Ich hoffe, dass es eine gute Lösung gibt.
Pflege Cologne
Forderungen der Ärzteschaft
Verfasst: 28.09.2011, 06:55
von Lutz Barth
Nun - ich verstehe die Aufregung nicht. Es bleibt doch der "Pflege" selbst überlassen, für bessere Arbeits- und Wirtschaftsbedingungen eintreten. Zu fordern, die Ärzte sollten aus der Sicht der Pflege im Zweifel keine "Erfolge" für sich verbuchen dürfen, weil dies zu Lasten der beruflich Pflegenden gereicht, halte ich schlicht für einfältig, weil jeder Profession die Möglichkeit zur Durchsetzung ihrer berufspolitischen Forderungen gegeben ist. Dass die beruflich Pflegenden vielleicht Schwierigkeiten haben, sich entsprechend zu organisieren, kann jedenfalls im Ergebnis nicht dazu führen, dass andere Gesundheitsfachberufe etwa auf die Durchsetzung ihrer Tarifforderungen etc. freiwillig verzichtigen und damit ggf. "kollektiv mit den beruflich Pflegenden leiden".
In diesem Sinne dürfen wir denn auch gespannt sein, ob ggf. der DPR seine "Gedankenspiele", ggf. eine "Gewerkschaft" gründen zu wollen, in die Praxis umsetzt. Immerhin wird durch ein solches Vorhaben deutlich zu erkennen gegeben, dass der "Altruismus" auch der Pflegenden seine Grenzen hat und es nicht stets darauf ankommt, in der Öffentlichkeit für die Interessen der zu Pflegenden einzutreten, sondern gelegentlich auch für die berechtigten Interessen der eigenen Berufsgruppe einzutreten.
Von einer "Gewerkschaft" wäre im Übrigen mehr Druck auf die politisch Verantwortlichen und ggf. Arbeitgeber zu erwarten, als von einer Pflegekammer in Form einer öffentlich-rechtlichen Körperschaft und die Berufsverbände würden endlich ein Signal an die große Basis senden, dass sie in erster Linie für die Interessen ihrer Mitglieder eintritt.
Solange dies die Berufsverbände nicht erkennen und sich zu "höheren Weihen" berufen fühlen, wird kein nennenswerter "Widerstand" zu organisieren sein, geschweige denn die Arbeitsbedingungen für die eigene Berufsgruppe erträglicher werden.
Ich denke, dass Problem liegt u.a. darin, dass die Berufsverbände von den Kerninteressen der Berufsangehörigen zu weit weg sind und nicht wenige Pflegende das Gefühl haben, als ringen hier einige Funktionäre um ein "eigenes Beschäftigungsprogramm"!